Kaffeewissen

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Hier erfahren sie alles Wissenswerte rund um die Themen Fairer Handel und Kaffee. Um die Suche zu vereinfachen, haben wir ein kleines Lexikon angelegt. Wir sind stets bemüht, dieses zu aktualisieren und zu erweitern, dennoch erhebt das Lexikon keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es soll lediglich helfen, die Welt des Fairen Handels und des Kaffees besser zu verstehen. Viel Spaß beim Stöbern:

 

AP (American preparation), weniger als 16 Defekte pro 100g Kaffeebohnen, Defekte sind Steinchen, unreife Früchte etc.

BCS Bio Kontrollstelle, Sitz: Nürnberg

EFTA (European Fair Trade Association) Kooperation von 11 großen Fair Handels Importeuren in Europa mit dem Ziel Fair Handels Aktivitäten zu harmonisieren und zu koordinieren

 

EP (European preparation), weniger als 12 Defekte pro 100g Kaffeebohnen, Defekte sind Steinchen, unreife Früchte etc.

 

FA!R Fair Trade Messe in Dortmund, findet jedes Jahr im Herbst statt

 

FairHandeln Fair Trade Messe in Stuttgart, findet jedes Jahr im Frühjahr statt

 

Fairer Handel (Prinzipien)

1. Zahlung fairer Erzeugerpreise

 

2. Langfristige Handelsbeziehungen

 

3. Vorfinanzierung

 

4. Information und Beratung

 

5. Transparenz

 

6. keine Kinderarbeit

 

7. keine Diskriminierung

 

8. faire Lohnzahlungen

 

9. menschenwürdige Arbeitsplätze

 

 

Fairer Handel (Historie)

 

1946 Gründung der ersten Fair Trade Organisation in Nordamerika: Self Help Craft, Verkauf von Handarbeiten aus Puerto Rico in die USA (heute Ten Thousand Villages)

 

1949 Gründung einer der ersten Fair Trade Initiativen weltweit: Sales Exchange for refugees, rehabilitation and vocation –SERRV- (USA)

 

1956 Gründung der ersten spanischen Hilfsorganisation: Intermón

 

1958 Eröffnung des ersten Fair Trade Ladens in den USA

 

1959 Gründung der ersten niederländischen Handelsorganisation Steun voor Onderontwikkelde Streken (SOS)

 

Wachstum der Fair-Trade Bewegung in Europa

 

1964 Englische Hilfsorganisation Oxfam gründet eigene Handelsgesellschaft Oxfam Trading

 

1967 Beginn des Handels mit Produkten aus der Dritten Welt; Zucker ist erstes Produkt im Fairen Handel

 

1969 Eröffnung des ersten Weltladens in Breukelen/Holland

 

Anfang 70er Jahre Beginn der Fair Trade Bewegung in Deutschland; Treibende Kräfte: Kirchliche Hilfswerke, kirchliche Jugendverbände, basisdemokratische, alternative Gruppierungen

 

1970 Entstehung der ersten „Dritte-Welt Läden“ in Deutschland

 

1972 Gründung Verein El Puente in Hildesheim, heute: Nordstemmen

 

1973 In Holland erstmaliger Verkauf von fair gehandeltem Kaffee aus Guatemala

 

1975 Gründung GEPA, Wuppertal

 

1975 Gründung EZA Fairer Handel GmbH: Österreichs größte Fair Trade Importorganisation

 

1975 Gründung „Aktion Dritte Welt Handel“

 

1976 Gründung Handelsorganisation El Puente in Hildesheim, heute Nordstemmen

 

Ausbau, Etablierung und Organisation des Fairen Handels

 

80er Jahre Rückgang des Marktes für Handwerksprodukte -> Anwachsen des Marktes für Lebensmittel (Kaffee, Tee, Obst, Kakao, Zucker, Fruchtsäfte, Reis, Gewürze)

 

1984 Gründung EFTA (European Fair Trade Association): Zusammenschluss von 11 Fair Trade Organisationen aus 9 europäischen Ländern

 

1984 Gründung Solidar’ Monde (Frankreich)

 

1986 Gründung Equal Exchange: älteste und größte Fair Trade coffee company der USA (erster und wichtigster Kunde ist Ten Thousand Villages)

 

1988 Gründung dwp, Ravensburg

 

1988 Einführung des Fair-Trade-Siegels „Max Havelaar“ (Holland)

 

Zum ersten Mal wird fair gehandelter Kaffee im Supermarkt verkauft

 

1989 Gründung IFAT (International Federation for Alternative Trade): Weltweiter Zusammenschluss von Produzentenorganisationen, Importeuren und Organisationen des Fair Trade (dazu zählen u.a. Contigo, GEPA, El Puente, dwp)

 

1992 Gründung Verein TransFair in Deutschland zur Vergabe des Fairtrade-Siegels für Lebensmittel aus Fairem Handel

 

1994 Gründung des Netzwerkes europäischer Weltläden NEWS!

 

1994 Gründung Fair Trade Federation (USA): Vereinigung von Organisationen, die sich für Fairen Handel einsetzen möchten

 

1996 Gründung Contigo Fair Trade GmbH

 

1997 Gründung FLO (Fair Trade Labelling Organizations International)

 

1998 Umbenennung der “Arbeitsgemeinschaft der Dritte Weltläden” (AG3WL) in: Weltladen Dachverbandes e.V.

 

Fair Trade Heute:

 

2000 Erste Fair-Trade Town: Garstang / England

 

2001 EFTA, FLO, IFAT und NEWS! verabschieden eine gemeinsame Fair Trade Definition

 

2001 Erste „Faire Woche“, Organisation durch Akteure des Fairen Handels mit Unterstützung des BMZ zur Förderung des Fairen Handels in Deutschland

 

Startschuss für weltweite Fair Trade Aktivitäten, um aus der Weltladennische auszubrechen (Faire Frühstücke, Aktionen wie Fair feels good, Fortbildungen von verschiedenen Akteuren)

 

2008 In Deutschland: Über 213 Mio. Euro mit Handel von Fair Trade Produkten

 

2009 Umbenennung der IFAT in WFTO (World Fair Trade Organisation)

 

2010 Fair Trade Produkte bundesweit in ca. 800 Weltläden, 30.000 Supermärkten, Bio- und Naturkostläden und bei etwa 600 Aktionsgruppen erhältlich

 

 

FLO (Fairtrade Labelling Organizations International), Dachorganisation für Fairen Handel mit Sitz in Bonn, FLO entwickelt eigene Standards für Fairen Handel und vergibt über ihre nationalen Siegelorganisationen das Fairtrade-Siegel für Produkte, die gemäß diesen FLO-Standards zertifiziert wurden

 

 

FSC (Forest Stewardship Council), Forstbetriebe werden gemäß den Richtlinien des FSC zertifiziert, durch die Zertifizierung wird gewährleistet, dass auch die forstwirtschaftliche Nutzung nachhaltig ausgerichtet ist und somit zum Erhalt der Artenvielfalt beiträgt und natürliche Ressourcen bestmöglich schützt sowie den örtlichen Gemeinden ein Auskommen sichert

 

 

GfRS (Gesellschaft für Ressourcenschutz) Kontrollstelle für Bio Produkte, kontrolliert moccafair fair trade coffee

 

 

GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit), früher GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit)

 

 

ILO (Internationale Arbeitsorganisation, englisch International Labour Organization, ILO; französisch Organisation internationale du travail, OIT), Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit dem Ziel der Beförderung sozialer Gerechtigkeit sowie Menschen- und Arbeitsrechte, Sitz in Genf, 183 Mitgliedstaaten, Aufgaben:

 

  1. Weiterentwicklung internationaler Arbeitsstandards
  2. Ausarbeitung rechtsverbindlicher Übereinkommen (Konventionen) sowie Empfehlungen an die Mitgliedstaaten
  3. Themenschwerpunkte des Arbeitsrechtes sind Standards für Mutterschutz, Schutz von temporären Angestellten, Altersgrenzen für bestimmte Arbeiten
  4. Insgesamt existieren bis heute 188 Übereinkommen und 198 Empfehlungen.
  5. Mitglieder müssen regelmäßig Bericht erstatten

 

 

IMO (Institut für Marktökologie), Bio Kontrollstelle, Sitz: Schweiz

 

 

Naturland, einer der größten ökologischen Anbauverbände mit über 53.000 Bauern welweit, fördert den Ökologischen Landbau weltweit, als zukunftsorientierter Verband gehören für Naturland Öko-Kompetenz und soziale Verantwortung zusammen

 

NGO (Nichtregierungsorganisation / Non government organisation)

 

 

NY2 (New York): bis 8 Defekte pro 300g Kaffeebohnen zugelassen, Defekte sind Steinchen, unreife Früchte etc.

 

 

Picking, einzelnes Pflücken der reifen Kirschen, jeder Strauch wird etwa alle acht bis zehn Tage erneut geerntet, sehr zeitaufwendig, bringt hohe Qualität

 

 

Pulped Natural, Trocknung des Kaffees nach Entpulpen, Fruchtfleischreste hängen noch an Bohnen, die Zucker an Bohnen abgeben, Kaffee hat ausgeprägte Süße

 

 

Trommelrösten, langsamer Temperaturanstieg auf bis zu 230°C innerhalb von 15-20min, kontinuierliche Prüfung des Röstbildes, Senkung der Feuchtigkeit und der Reizstoffe durch schonende Erhitzung (Gewichtsverlust bis zu 18%), Abkühlung der Bohnen durch Luftzufuhr

 

 

Weltladen Dachverband: Interessensvertretung von Weltläden und Aktionsgruppen, eingetragener Verein in dem sich Weltläden selbst organisieren

 

 

SHG (Strictly High Grown), auf über 1300m Höhenmetern wächst der Kaffee

 

 

SHB (Strictly Hard Bean), langsames Wachsen der Bohnen, eher hart geworden

 

 

WFTO (World Fair Trade Organization), Dachorganisation des Fairen Handels, weltweiter Zusammenschluss von Produzenten, Importeuren und anderen Organisationen des Fairen Handels, 10 Prinzipien des Fairen Handels:

 

1. Möglichkeiten für ökonomisch benachteiligte Produzenten schaffen, Produzenten werden unterstützt bei der Erlangung von Einkommenssicherheit

 

2. Transparenz und Verantwortung, Management und Handelsbeziehungen sind transparent, wichtige Daten und Informationen sind allen Beteiligten zugänglich

 

3. Handelsmethoden, die Organisation macht keinen Profit auf Kosten der Produzenten, Verträge über Qualität und Zeitvereinbarungen der Warenlieferungen werden eingehalten, wenn erforderlich werden von den Einkäufern Anzahlungen in Höhe von 50 % geleistet, ein verantwortungsvoller Umgang der Produzenten mit der Anzahlung wird garantiert, bei abgesagten Lieferungen auf Seiten der Einkäufer ohne Fehlverhalten der Produzenten werden diese entschädigt, fehlerhafte Ware oder Lieferung durch den Produzenten werden durch den Produzenten entschädigt, die Handelsbeziehungen sind langfristig und auf Wachstum ausgelegt

 

4. Faire Preise, der Preis wird in Absprache aller Beteiligten vereinbart, er soll die Produktionskosten decken und bezahlbar sein

 

5. Kinderarbeit und Zwangsarbeit, die UN Konvention zum Recht von Kindern und die lokalen Gesetze zur Kinderarbeit werden beachtet, es wird sicher gestellt, dass das Wohlbefinden, die Bildung und Sicherheit von Kindern nicht beeinträchtigt wird, Zwangsarbeit ist in Werkstätten von Fair Trade Partnern nicht erlaubt

 

6. Ausschluss von Diskriminierung, Geschlechtergleichheit und Versammlungsfreiheit, bei der Einstellung, Bezahlung, Weiterbildung, Beförderung und Pensionierung gibt es keine Diskriminierung auf Grund von Rasse, Kaste, Nationalität, Behinderung, Geschlecht, sexueller Orientierung, Gewerkschaftszugehörigkeit, politischer Zugehörigkeit, HIV/Aids oder dem Alter, die besonderen Bedürfnisse Schwangerer und stillender Mütter werden respektiert, die Gründung und Mitgliedschaft in Gewerkschaften wird respektiert, wo Gewerkschaften gesetzlich verboten sind ermöglicht die Organisation freie Versammlungen und Vertritt ihre Angestellten, bei direkter Zusammenarbeit der Organisation mit den Produzenten erfolgt eine gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit bei Frauen und Männer
7. Arbeitsbedingungen, die Sicherheit, Gesundheitsvorkehrungen und Arbeitszeiten entsprechen mindestens den lokalen und den ILO Standards

 

8. Wirtschaftswachstum, kleine Unternehmen werden bei der Steigerung ihrer Produktion unterstützt, die Optimierung des Managements und der Arbeitsprozesse sowie der Zugang zu internationalen Märkten wird unterstützt

 

9. Verbreitung von Fair Trade, die Organisation verbreitet den Fair Trade Gedanken in der Welt, verteidigt ihn und informiert seine Kunden über sich, die Produkte, den Markt und die Produzenten

 

10. Umwelt, Produzenten erweitern ihre Verwendung von nachhaltig produzierten Rohstoffen, kaufen wenn möglich lokal, minimieren ihren Energieverbrauch, nutzen möglichst erneuerbare Energien und reduzieren ihre Müllproduktion, in der Landwirtschaft werden bevorzugt biologische Dünger und Schädlingsbekämpfungsmittel verwendet, die Verpackung der Produkte soll umweltfreundlich sein, der bevorzugte Transportweg ist die Seefracht

 

Monitoringsystem:

 

1. Selbstüberwachung, eigenständige Überprüfung der WFTO-Standards alle 2 Jahre
Ergebnisse an WFTO, WFTO entscheidet, ob Organisation Standards erfüllt
2.Gegenseitige Überprüfung, Berichte der Selbstüberprüfung werden auf der WFTO-Website für alle Mitglieder sichtbar und so gegenseitig geprüft, bei Meinungsverschiedenheiten wird die Schiedsstelle der WFTO eingeschaltet
3. Externe Verifizierung, 5-10% der Selbstauskünfte werden jährlich stichprobenartig von unabhängigen Prüfern kontrolliert

 

 

Zertifizierung (von lat. „certe“ = bestimmt, gewiss, sicher und „facere“ =machen, schaffen, verfertigen), Verfahren, mit dessen Hilfe die Einhaltung bestimmter Anforderungen nachgewiesen wird, Vergabe: meist zeitlich befristet von unabhängigen Zertifizierungsstellen, Kontrolle hinsichtlich bestimmter Standards